Stanzwerkzeuge lagern: So schützen Sie teure Aktivteile
- Besonderheiten von Stanzwerkzeugen: Gewicht, Öl, Korrosion
- Traglast-Anforderungen an Auszüge
- Ordnungssysteme und Kennzeichnung: je Komponente der richtige Halter
- Werkzeugwechsel beschleunigen: vom Schrank zur Presse
- Häufige Fragen zur Lagerung von Stanzwerkzeugen
- Beratung: Stanzwerkzeug-Lagerung konfigurieren
Stanzwerkzeuge lagern Sie richtig, wenn jedes Aktivteil — Stempel, Matrize, Abstreifer — einen eigenen, formschlüssigen Platz hat und komplette Sätze oder Rüstkassetten sortenrein zusammenbleiben. Lose gestapelte Aktivteile bedeuten Kantenschlag an den Schneiden, Korrosion auf den Funktionsflächen und Suchzeiten bei jedem Rüstvorgang — bei Werkzeugen, deren Herstellung oder Nachschliff teuer ist, ein unnötiges Risiko. Dieser Ratgeber erklärt die Besonderheiten der Stanzwerkzeug-Lagerung, die Traglast-Anforderungen an Auszüge und Ordnungssysteme mit Kennzeichnung — und zeigt, wie ein Werkstattschrank für Stanzwerkzeuge den Werkzeugwechsel an der Presse beschleunigt.

01Besonderheiten von Stanzwerkzeugen: Gewicht, Öl, Korrosion
Stanzwerkzeuge stellen andere Anforderungen an die Lagerung als die meisten Betriebsmittel — drei Eigenschaften machen sie anspruchsvoll:
Gewicht. Aktivteile und komplette Werkzeugsätze bestehen aus gehärtetem Werkzeugstahl. Wer Folgeverbund-Sätze, Ersatzstempel und Reservematrizen zusammenzählt, kommt schnell auf Lasten, die einfache Regalböden und Standard-Schubladen überfordern. Die Lagerlösung muss für dauerhaft hohe Flächenlasten spezifiziert sein — inklusive Reserve für wachsende Bestände.
Öl. Stanzwerkzeuge kommen selten trocken aus der Presse: Stanz- und Umformöle haften an den Aktivteilen, und ein leichter Ölfilm ist als Korrosionsschutz sogar erwünscht. Für die Lagerung heißt das: abwischbare, beständige Oberflächen (pulverbeschichtetes Stahlblech statt offener Holz- oder unbeschichteter Regalböden) und eine Unterteilung, die verölte Teile sortiert hält, statt sie aufeinanderzustapeln.
Korrosions- und Schneidenempfindlichkeit. Gehärteter Werkzeugstahl ist in der Regel nicht rostbeständig — Handschweiß, Kondenswasser und abgewischte Ölfilme führen zu Flugrost auf Funktionsflächen. Gleichzeitig sind die Schneidkanten schlagempfindlich: Schon kleine Ausbrüche verschlechtern das Schnittbild, erhöhen die Gratbildung und erzwingen vorgezogene Nachschliffe. Jeder Kantenkontakt zwischen Werkzeugen — beim Stapeln, Umräumen, Suchen — ist ein potenzieller Schaden.
Die Konsequenz: Aktivteile brauchen Einzelplätze mit formschlüssigem Halt, getrennte Zonen je Werkzeugtyp und so wenige Umlagervorgänge wie möglich. Wer zusätzlich je Werkzeugsatz dokumentiert, wann zuletzt nachgeschliffen wurde und wie viele Hübe seither gelaufen sind, macht die Lagerung zum Ausgangspunkt einer echten Werkzeugverwaltung — der beschriftete Lagerplatz ist dafür die natürliche Bezugsgröße.
02Traglast-Anforderungen an Auszüge
Die Traglast ist bei Stanzwerkzeugen das erste K.-o.-Kriterium. Zwei Kennwerte der STS-WS Werkstattschränke von SIM-TEC (Herstellerangaben) zeigen die Größenordnung, die für diesen Einsatz spezifiziert sein sollte:
- 900 kg Traglast je Auszug bei 200 mm Auszugsbreite,
- 1 Tonne je Auszug bei 300 mm und 400 mm Auszugsbreite —
jeweils ausgelegt für den dauerhaften Industrieeinsatz mit voll bestückten Auszügen. Ebenso wichtig wie der Maximalwert ist die Bauform: Vertikalauszüge mit Vollauszug zeigen den gesamten Inhalt auf einen Blick und halten Werkzeuge aufrecht in Haltern, statt sie flach zu stapeln. Beim STS-WS kommt der beidseitige Zugriff dazu — zwei Bediener können gleichzeitig arbeiten, ohne Werkzeuge umzuräumen. Die Konstruktion aus 3 mm Stahlblech mit Pulverbeschichtung aus eigener Anlage ist gegen Öl und Werkstattbetrieb beständig; gefertigt wird in Waibstadt, zertifiziert nach DIN ISO 9001:2015 und DIN EN 1090-2.
Für kleinere Bestände jenseits der Stanztechnik — Betriebsmittel, Kleinteile, Messzeug — bietet die Kategorie Werkstattschrank dieselbe Schrankplattform in weiteren Ausstattungsvarianten.
03Ordnungssysteme und Kennzeichnung: je Komponente der richtige Halter
Ein Stanzwerkzeugsatz besteht aus mehreren Komponenten mit unterschiedlicher Geometrie — ein einziges Ablageformat wird dem nicht gerecht. SIM-TEC löst das über ein Haltersystem, das je Komponente den passenden Aufnahmetyp bereitstellt:
| Haltertyp | Aufgenommene Komponente |
|---|---|
| WHS 21 | Stempel (Typ 1 und 2) |
| WHS 22 | Matrizen (Typ 1) |
| WHS 23 | Matrizen (Typ 2), Abstreifer oder Aufnahmeringe |
| WHS 24 | Abstreifer |
| WHS 25 | Rüstkassetten (leer oder bestückt) |
| HRW | Rüstkassetten — hängend, erschütterungssicher fixiert |
Dazu kommen Einlegebleche (ELB) und Trennbleche (TBE) zur individuellen Unterteilung der Auszüge. Die Halter sitzen im 12,5-mm-Raster und lassen sich werkzeuglos versetzen — ohne Ausbau des Auszugs. Ändert sich das Werkzeugportfolio, wächst die Belegung einfach mit.
Für die Organisation haben sich drei Regeln bewährt:
- Sortenrein je Auszug: Folgeverbund-Sätze komplett (Stempel, Matrize, Abstreifer) in einem Auszug; Einzelwerkzeuge getrennt nach Schneidgeometrie.
- Kennzeichnung auf Platz-Ebene: Beschriftete Auszüge und Halterplätze machen den Soll-Zustand sichtbar — fehlende Werkzeuge fallen sofort auf. Das ist gelebte 5S-Ordnung und macht die Werkzeugausgabe auditierbar.
- Rüstkassetten als Einheit behandeln: Kassetten bleiben bestückt im Halter (WHS 25 / HRW) — das Werkzeug wird als Set gelagert, transportiert und gerüstet, ohne Einzelteile anzufassen.
Als Orientierung für die Dimensionierung nennt SIM-TEC zwei typische Konfigurationen: den WSK-M-4-2 S mit bis zu 20 Werkzeughaltern für Kleinstanzbetriebe und den WSM-M-5-2 S mit bis zu 30 Werkzeughaltern für mittlere Stanzbetriebe; Varianten der Stanz-Ausstattung sind ab 1.260 € (zzgl. MwSt.) erhältlich, Sonderkonfigurationen auf Anfrage.
04Werkzeugwechsel beschleunigen: vom Schrank zur Presse
Die Lagerorganisation zahlt direkt auf die Rüstzeit ein — wenn der Weg vom Schrank zur Presse mitgedacht wird:
- Definierte Plätze ersetzen das Suchen: Wer jede Komponente am beschrifteten Platz findet, verkürzt die Rüstvorbereitung auf das reine Kommissionieren.
- Sets statt Einzelteile bewegen: Bestückte Rüstkassetten wandern als Einheit vom Halter in die Presse — weniger Handgriffe, weniger Kantenkontakt, weniger Fehlerquellen.
- Mobiler Rüstwagen als Bindeglied: Der STS-WW-S Werkstattwagen Stanzen bringt die benötigten Sets direkt vom Schrank zum Rüstplatz und zurück — mit seitlichen Transporttaschen und Edelstahlhandgriff. Das nächste Rüstset wird parallel zur laufenden Produktion vorbereitet; die Presse steht nur für den eigentlichen Wechsel.
- Rückgabe-Disziplin definieren: Nach dem Auftrag geht jedes Set zurück an seinen gekennzeichneten Platz — inklusive Sichtkontrolle der Schneiden. So wird die Lagerung zugleich zum Qualitäts-Checkpoint: Auffällige Werkzeuge gehen direkt in den Nachschliff statt zurück ins Lager, und der nächste Auftrag startet nie mit einem beschädigten Satz.
- Standort an den Materialfluss anpassen: Der Schrank steht idealerweise zwischen Werkzeugbau und Presse — dank beidseitigem Zugriff bedient eine Seite die Rückgabe und Instandhaltung, die andere die Kommissionierung für den nächsten Auftrag.
Dieselbe Systematik funktioniert für benachbarte Prozesse: Wie Sie Abkantwerkzeuge und Biegestempel lagern und wie die geordnete Werkzeugbereitstellung in der Zerspanung aussieht (CNC-Werkzeuge richtig lagern), lesen Sie in den weiteren Ratgebern.
05Häufige Fragen zur Lagerung von Stanzwerkzeugen
Wie schwer dürfen Stanzwerkzeuge in einem Auszug sein? Das definiert die spezifizierte Traglast des Schranks. Die STS-WS Werkstattschränke tragen 900 kg je Auszug bei 200 mm Auszugsbreite und 1 Tonne bei 300/400 mm Breite — dauerhaft im Industrieeinsatz. Planen Sie die Traglast immer für den voll belegten Auszug und mit Reserve für wachsende Bestände.
Wie lagere ich Stempel, Matrizen und Abstreifer getrennt und trotzdem griffbereit? Über komponentenspezifische Halter: WHS 21 für Stempel, WHS 22/23 für Matrizen, WHS 24 für Abstreifer, WHS 25 und HRW für Rüstkassetten. So hat jede Komponente einen formschlüssigen Einzelplatz, und komplette Sätze bleiben im selben Auszug zusammen — sortenrein und ohne Kantenkontakt.
Wie schütze ich Stanzwerkzeuge vor Korrosion? Gehärteter Werkzeugstahl ist meist nicht rostbeständig. Bewährt haben sich ein leichter Ölfilm als Korrosionsschutz, trockene Lagerung ohne direkten Kontakt der Funktionsflächen und möglichst wenige Umlagervorgänge. Pulverbeschichtete Stahlauszüge mit Haltern sind dafür besser geeignet als offene Regale, in denen Teile aufeinanderliegen.
Was ist der Vorteil von Rüstkassetten in der Lagerung? Die Kassette hält den kompletten Werkzeugsatz als Einheit zusammen — gelagert, transportiert und gerüstet wird das Set, nicht das Einzelteil. Halter wie der HRW fixieren Kassetten erschütterungssicher im Vertikalauszug; das reduziert Handgriffe, Verwechslungen und Kantenschäden beim Werkzeugwechsel deutlich.
Welcher Schrank passt für einen kleinen Stanzbetrieb? SIM-TEC empfiehlt als Einstieg den WSK-M-4-2 S mit bis zu 20 Werkzeughaltern; mittlere Betriebe greifen zum WSM-M-5-2 S mit bis zu 30 Haltern. Beide sind mit dem Rüstkassetten-Halter HRW kombinierbar und im 12,5-mm-Raster umkonfigurierbar. Sondermaße und abweichende Auszugszahlen sind auf Anfrage möglich.
06Beratung: Stanzwerkzeug-Lagerung konfigurieren
Sie möchten Halterbestückung, Traglast und Schrankgröße auf Ihren Werkzeugbestand auslegen? SIM-TEC Solutions entwickelt und fertigt die STS-WS Schränke und STS-WW Wagen selbst in Waibstadt — Beratung direkt vom Hersteller.
Volkan CetinkayaKey Account Manager